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Fragen und Antworten

Wir beantworten Ihnen alle allgemeinen Fragen zum Thema Forderungseinzug und Forderungsmanagement. Eine Rechtsberatung werden wir an dieser Stelle nicht vornehmen. Ihre Frage wird anonymisiert, falls Sie dies nicht schon ist, beantwortet und in dieser Rubrik veröffentlicht. Geben Sie hier Ihre Frage ein.

Frage vom 22.06.2012: Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Jung, vor zwei Wochen habe ich bei einem Lebensmitteleinkauf an der Kasse einen Flachmann eingesteckt und bin am Ausgang von einem Mitarbeiter des Ladens festgehalten worden, der mich beim Einstecken an der Kasse gesehen hat. Die wollen nun 50 € von mir haben und stellen zudem noch Strafanzeige. Dürfen die von mir 50 € verlangen?

Die Frage lässt sich mit den gegebenen Informationen und der bestehenden Rechtslage nicht abschließend beantworten. Bei Diebstählen in Selbstbedienungsläden fallen verschiedenste Kosten an. Viele davon sind aber nicht ersatzfähig. Ich empfehle insoweit das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGHZ 75, 230) zu lesen.

Vorhaltekosten, die der allgemeinen Sicherung gegen Diebstähle (zB. Hausdetektive, Videoüberwachung, elektronische Sicherungen an den Waren selbst) dienen, sind nicht erstattungsfähig.

Das gleiche gilt für die durch Ihren Diebstahl direkt entstandenen Bearbeitungskosten (Arbeitsstunden des Mitarbeiters, Porto- und Telefonkosten). Beides ist jedoch mittlerweile umstritten.

Die nach einer Auslobung vom Geschädigten zu zahlende Fangprämie für die Ergreifung des konkreten Diebes ist grundsätzlich ersatzfähig, allerdings nur im angemessenen Umfang. Im Urteil des BGH aus dem Jahr 1979 waren 50 DM noch als angemessen angesehen worden, heute dürften auch 50 EUR angemessen sein. In der Literatur und Rechtsprechung wird auch eine Beschränkung („normative Korrektur der hypothetischen Lage“) auf die Höhe der gestohlenen Ware wegen der begrenzenden Wirkung des Schutzzwecks der Haftungsnorm diskutiert. Sollte der Flachmann nur 10 EUR gekostet haben, wäre dort auch die Grenze für die Fangprämie zu ziehen. In der Regel wird der Selbstbedienungsladen aber aus wirtschaftlichen Erwägungen kein Klage- oder Mahnverfahren gegen Sie anstrengen.

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